Der Knigge für Geschäftsreisen

Business Travel

Unsere Vorstellung von Höflichkeit entspricht einem Verhaltenskodex, der durch die eigene Kultur geprägt ist. In fremden Ländern ist diese kulturelle Entwicklung anders verlaufen und weicht teils beträchtlich von unserer ab.

Von Nina Aryapour (*)

Ein Gastgeschenk gilt in der Schweiz als nette Geste. In Japan herrscht eine regelrechte Geschenkekultur, während ein Geschenk in Indien schnell als Beleidigung aufgefasst werden kann. Durch missverstandene Verhaltensweisen kann in anderen Kulturkreisen leicht der Eindruck von Respektlosigkeit entstehen. Auf Geschäftsreisen ist daher zumindest die ungefähre Kenntnis der im Gastland geltenden Benimmregeln entscheidend.

«Sein Gesicht nicht zu verlieren» ist in asiatischen Ländern sehr wichtig. Ein Nein ist unbekannt, und auch wenn man sich auf Englisch verständigt, muss ein Ja keine verbindliche Zusage sein. Man begrüsst sich nicht per Handschlag, sondern mit Verbeugung. Vertrauen zu Geschäftspartnern hat hohe Bedeutung und so unterhält man sich beim Essen auch über Persönliches. Zur angemessenen Etikette gehört es, höflich, pünktlich und vor allem geduldig zu sein. Ein Geschäft wird in China nicht über Nacht abgewickelt.

Das gilt auch für die Vereinigten Arabische Emirate. Zu Terminen sollte man pünktlich erscheinen, jedoch nicht überrascht sein, wenn das Gegenüber auf sich warten lässt. Bedeckte Kleidung ist elementar. Die Initiative zum Händeschütteln sollte man dem anderen überlassen – und wenn, dann nur mit der rechten Hand. Die linke gilt als unrein. Persönliche Beziehungen sind auch in Russland wichtig. Zu Verhandlungen reist man am besten in einer grösseren Gruppe wichtiger Personen an, denn der Einzelne gilt wenig. Ausserdem spielt Macht in der Hierarchie eine grosse Rolle. Seine Position sollte man also entschieden vertreten. Finnen hingegen halten nichts von Smalltalk, sondern kommen schnell zur Sache. Es wird ehrlich, fair und offen diskutiert.

Auch die Amerikaner kommen bei Meetings, die oft unterhaltsame Elemente enthalten, schnell zum Punkt; theoretische Vorträge gelten in den USA als trocken. In Indien sind Hierarchien gottgegeben und werden nicht infrage gestellt. Inder nehmen es mit der Zeit nicht so genau, erwarten aber von Menschen aus dem Westen Pünktlichkeit. Verwirrend für Europäer ist auch das scheinbare Kopfschütteln, das in Wirklichkeit ein Zeichen der Zustimmung ist. Generell gilt, dass es in allen Ländern sehr gut ankommt, wenn sich der Gast wenigstens ein paar Wörter in der Landessprache aneignet.

(*) Nina Aryapour, Beraterin in der auf die Reiseindustrie spezialisierten PR-Agentur Primus Communications. (www.primuscommunications.ch)

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