Ingenieure: Was sich bezahlt macht

Lohnentwicklung bei  Ingenieuren und Architekten

Die Gehälter von Ingenieuren und Architekten wachsen moderat, sie liegen aber unter jenen anderer akademischer Berufsrichtungen. Gut schneidet ab, wer konsequent in die Weiterbildung investiert und in einer Führungsposition oder in einem Grossunternehmen tätig ist.


von Stefan Arquint (*)

Dank des aktuellen wirtschaftlichen Aufschwungs wollen Schweizer Arbeitgeber in den herbstlichen Lohnrunden die Gehälter anheben, so eine Umfrage von Moneyhouse. Die positive Entwicklung widerspiegelt sich in den Salären von Ingenieuren und Architekten: Sie konnten 2010 ihren Bruttojahreslohn erneut steigern, wenn auch nur moderat auf 120000 Franken (Median). Dies zeigt die jährliche Salärerhebung des Berufsverbands Swiss Engineering STV bei 3800 Ingenieuren und Architekten. Die Steigerung betrifft alle Branchen mit Ausnahme der krisengeschüttelten Maschinen- und Metallbranche, wo die Löhne stagnierten. Zusammen mit dem Baugewerbe und der Branche Heizung/Lüftung/Klima bildet sie das Schlusslicht der Rangliste. Besonders gut verdienen im Gegensatz dazu Ingenieure und Architekten aus den Bereichen Finanz und Telekommuni-kation. Neben der Branche hat auch die Stu-dienrichtung einen wesentlichen Einfluss auf die Höhe des Gehalts: Während Betriebs-, Chemie- und Agronomieingenieure mit deutlich besseren Salären rechnen dürfen als der Durchschnitt, verdienen Holzbauingenieure und Architekten am wenigsten – mit gut 30000 Franken Abstand auf die Spitzenverdiener. Kleiner ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Ingenieurinnen und Architektinnen erhalten rund 7000 Franken weniger als ihre männlichen Kollegen.

Wissen braucht Pflege
Doch unabhängig von der Höhe des Gehalts – kurz vor der Pensionierung muss mit Einbussen gerechnet werden. Der Spitzenverdienst von Ingenieuren und Architekten liegt bei durchschnittlich 142000 Franken mit etwa 60 Jahren und in einigen Branchen dürfte das Gehaltsmaximum sogar in früheren Jahren erreicht werden. Darüber erstaunt zeigt sich Daniel Löhr, Personalberater bei der E.M.S. AG und Mitglied des Zentralvorstands von Swiss Engineering STV: «Zählen sollte eigentlich nicht das Alter, sondern die Leistung eines Mitarbeitenden.» Erklären lasse sich dies teilweise damit, dass ältere Arbeitnehmende seltener ihre Arbeitsstelle wechselten. In der Folge komme es zu keinem Lohnsprung, wie sonst bei Stellenwechseln üblich. Eva-Maria Aulich vom Institut für Strategie und Unternehmensökonomik der Universität Zürich hat eine weitere Erklärung: «Das Wissen der älteren Mitarbeitenden verliert an Wert, je näher die Pen­sionierung rückt.» Gemäss der sogenannten Humankapitaltheorie unterliege das Humankapital wie das Sachkapital einer Abschreibungsrate. «Sinkt der Wert seines Wissens, fällt auch das Salär des Mitarbei­tenden.» Ein Gegenmittel, so Aulich, sei lebenslanges Lernen, das auch Ingenieure und Architekten verinnerlichen müssten. Gemäss der Salärumfrage von Swiss Engineering STV sind bei diesen vor allem Einzelkurse und Nachdiplomstudiengänge beliebt. Während in der Deutschschweiz mehr als ein Drittel über ein Nachdiplom verfügen, sind es in der Westschweiz und im Tessin aber weniger als 20 Prozent.

Führung zahlt sich aus
In der Regel tragen die Unternehmen die Kosten für eine betriebsinterne Weiterbildung. Sie sind jedoch nicht immer dazu bereit, wenn der Angestellte das Wissen auch beim nächsten Arbeitgeber einsetzen kann. Zahlt der Arbeitnehmer die Weiterbildung in solchen Fällen selber, muss er die Investition langfristig durch ein höheres Salär amortisieren können. «Am schnellsten geht dies, wenn die Weiterbildung Zugang zu einer besser bezahlten Führungsposition ermöglicht», sagt Daniel Löhr. Dass sich Führungsverantwortung auszahlt, bestätigt auch die Salärumfrage von Swiss Engineering STV. Doch fällt das Lohngefälle je nach Branche verschieden steil aus: Während ein Geschäftsführer in der Elektrobranche 50000 Franken mehr als ein Mitglied des unteren Kaders verdient, beträgt die Differenz in der Informatik gerade mal 20000 Franken.

Allgemein sind Ingenieure und Architekten im Management gut vertreten: Laut einer Studie des Vereins IngCH besetzen sie in SLI-notierten Unternehmen 23% aller Geschäftsleitungs- und 16% aller Verwaltungsratspositionen. «Wer eine Führungsfunktion anstrebt, hat in KMU grundsätzlich die besseren Chancen als im Grossunternehmen», so Daniel Löhr. Der Nachteil: Die Jahressaläre steigen mit der Unternehmensgrösse – bei mehr als 1000 Angestellten sind sie um 17000 Franken höher als im KMU mit weniger als neun Angestellten. Doch KMU werden oft unterschätzt. «Das Einsatzgebiet und somit die erworbenen Kenntnisse sind hier viel breiter gefasst», sagt Löhr. «Zudem stehen die Chancen besser auf eine Firmenbeteiligung oder Nachfolge, zum Beispiel des Inhabers.» Eva-Maria Aulich ergänzt: «KMU bieten häufig einen grösseren Handlungsspielraum und mehr Verantwortung. Dies fördert die intrinsische Motivation: Mitarbeitende identifizieren sich mit ihrer Arbeit und leisten mehr, als wenn sie weniger selbstbestimmt arbeiten würden.»

Lohn als Teil des Ganzen
Für Schweizer Ingenieure und Architekten sind denn auch andere Faktoren wichtiger als ein hoher Basislohn oder hohe Boni. Gemäss Salärumfrage erwarten Arbeitnehmer vor allem einen vielseitigen Arbeitsinhalt, Perspektiven, Wertschätzung und Weiter­bildungsmöglichkeiten. Umgekehrt sind sie aber auch bereit, Überstunden zu leisten, sich laufend weiterzuentwickeln und Reisen zu unternehmen. «Wie stark der Arbeitsplatz uns motiviert, hängt vor allem von drei Faktoren ab», sagt Eva-Maria Aulich. «Und zwar davon, wie bedeutend uns die Arbeit erscheint, ob wir Feedback erhalten und wie selbstständig wir arbeiten können».

Doch auch wenn der Lohn nicht das Mass der Dinge ist, darf er nicht unterschätzt werden. Trotz der Steigerung im letzten Jahr liegen die Jahressaläre von Ingenieuren und Architekten deutlich unter jenen anderer akademischer Berufsrichtungen. Es braucht aber eine adäquate Entlöhnung, damit der Ingenieurberuf bei Maturanden – und insbesondere Maturandinnen – an Attraktivität gewinnt. Das Gehalt soll auch variable Komponenten beinhalten, abhängig von persönlicher Leistung und Geschäftsgang. «Ich halte die Entlöhnung inklusive leistungsabhängigem Bonus für wichtig: Läuft es gut, sollen beide profitieren. Läuft es weniger gut, sollen beide das Risiko tragen», das meint auch Daniel Löhr. Dass Mitarbeitende am Geschäftserfolg beteiligt werden, ist ein Zeichen von Wertschätzung und dürfte folglich zu noch besserer Leistung anregen.

(*) Stefan Arquint ist Generalsekretär von Swiss Engineering STV, dem Berufsverband der Ingenieure und Architekten. Die Salärerhebung 2010/11 können Nicht-Mitglieder für 75 Franken bestellen unter: www.swissengineering.ch

Kommentieren Sie diesen Artikel