Kompetenzen fördern
Samstag, 26. März 2011
Gesundheitsförderung im Betrieb
Grundsätzlich sind die Mitarbeitenden für ihre Gesundheit selbst verantwortlich. Unternehmen können ihre Angestellten aber motivieren, darauf besser zu achten. Etwa mit einem Care-Gespräch: Vorgesetzte setzen sich mit Mitarbeitenden, die häufig ausfallen, zusammen, um Lösungen zu finden. Mitarbeitende sollen zudem in ihrer Gesundheitskompetenz gestärkt werden.

von Heidi Widmer (*)
Gesunde Mitarbeitende sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für Unternehmen. Denn die Gesundheit der Mitarbeitenden färbt auf die Gesundheit eines Unternehmens ab. Und produktiv können im rauen Wirtschaftsklima letztlich nur jene sein, die trotz hohem Leistungsdruck und Arbeitspensum motiviert, sowie körperlich und mental fit sind – und sich geschätzt fühlen. Um ihre Mitarbeitenden hierin zu unterstützen, setzt Helsana auf das sogenannte Care Management.
Unter dem Begriff Gesundheitsmanagement fasst man alle Massnahmen zusammen, die zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz beitragen. Ein wichtiges Element des Care Managements ist es, Vorgesetzte auf ihre Fürsorgepflicht zu sensibilisieren.
Konsequent und einheitlich
Dank des Care Managements gelten einheitliche Kriterien, wann ein sogenanntes Care-Gespräch stattfindet: spätestens nach der dritten Absenz innerhalb von zwölf Monaten oder einer 21-tägigen Abwesenheit am Stück. Mit einem strukturierten Fragebogen wird ermittelt, ob die Arbeit die Gesundheitsprobleme zusätzlich beeinflusst. Eine konsequent einheitliche Handhabung nützt allen. Vorgesetzte und Mitarbeitende müssen sich unabhängig von der Arbeitsleistung oder Sympathien zusammensetzen. Für Vorgesetzte kann es eine unangenehme Aufgabe sein, auf Mitarbeitende zuzugehen, die oft ausfallen. Sie fürchten sich davor, dass der Betroffene den Schritt als Misstrauen deuten könnte. Auf der anderen Seite haben Menschen mit gesundheitlichen Problemen häufig ein schlechtes Gewissen, wenn sie wieder ausfallen. «Das nimmt mir doch keiner ab», so die häufige Sorge.
Auch die 51-jährige Anna Zimmermann (Name geändert) wurde zu einem Care-Gespräch eingeladen: Sie und ihre Teamleiterin sprachen vergangenen Oktober über ihre gesundheitliche Situation. Sie analysierten die Absenzen und stellten fest, dass sie, Anna Zimmermann, vor allem in hektischen Wochen immer am Donnerstagnachmittag oder Freitag einbrach und nach Hause gehen musste. Nach weiteren Abklärungen und Gesprächen wurde klar, dass es besser ist, wenn sie ihr Pensum vorübergehend auf 80 Prozent reduziert. Zusätzlich verbesserte sich ihre gesundheitliche Situation durch eine Umstellung der Ernährung.
In anderen Fällen kann die Arbeit allenfalls den Einschränkungen angepasst werden. Insbesondere bei komplexeren Krankheitsbildern finden regelmässige Treffen statt, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen oder bei Bedarf andere Stellen wie etwa die IV oder Ärzte frühzeitig an Bord zu holen.
Situation erkennen
Ein Care-Gespräch ist also kein Disziplinargespräch, sondern ein Gespräch, das sich um die Gesundheit dreht. Die meisten Betroffenen empfinden die Unterhaltung nicht als lästig, sondern sind froh, dass man sich im Unternehmen um ihre Gesundheit kümmert und zusammen nach Lösungen sucht. In Care-Gesprächen geht es aber nicht in erster Linie um Diagnosen. Bei Krankheiten, die länger andauern oder wiederkehren, sollen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern partnerschaftlich – und unter Wahrung des Datenschutzes – gemeinsam Lösungen gefunden werden. Die Verantwortlichkeit für die eigene Gesundheit liegt dabei selbstverständlich allein bei den Mitarbeitenden. Sie kann nicht delegiert werden. Die Philosophie des Care Managements ist es, den Mitarbeitenden zu helfen, gesund zu werden und zu bleiben. Davon profitiert auch der Betrieb: Dank Care Management gelang es in unserem Fall 2009, die Absenzen innerhalb eines Jahres um 25 Prozent zu reduzieren. 2010 ist die Quote gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben.
Gesundheitskompetenz lernen
Neben Care Management haben Unternehmen zahlreiche andere Möglichkeiten, damit ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesund und leistungsfähig bleiben. Stehpulte beugen zum Beispiel Rückenbeschwerden vor. Transparente Informationen über die Menüs in der Kantine oder Früchtekörbe unterstützen eine gesunde Ernährung. Grössere Betriebe haben sogar einen eigenen Sportklub oder bieten Impfaktionen an. Damit die Mitarbeitenden solche Angebote aber nutzen und zu ihrer Gesundheit generell Sorge tragen, brauchen sie «Gesundheitskompetenz», ansonsten laufen die Unternehmen Gefahr, dass die gut gemeinten Angebote verpuffen. Um diese Kompetenz zu fördern, hat sich neben Care Management auch eine interne «Gesundheitsförderungskommission» bewährt. Sie stellt den Mitarbeitenden Informationen und Tipps für eine gesunde Lebensweise zur Verfügung.
Grundvoraussetzungen schaffen
Es ist entscheidend, die Gesundheitstipps so aufzubereiten, dass sie von den Mitarbeitenden verstanden werden – und mit realistischem Aufwand umsetzbar sind. Die Mitarbeitenden müssen einen Sinn darin erkennen, etwas zu ändern. Tritt die Unternehmensleitung als «Übermutter» mit Mahnfinger oder gar als «Polizei» auf, tut sie dem Betrieb damit keinen Gefallen. Mitarbeitende dürfen krank sein, wenn sie krank sind. Sie sollen ohne schlechtes Gewissen zu Hause bleiben dürfen, wenn sie etwa Fieber haben, und keinesfalls mit falschem Ehrgeiz bei der Arbeit erscheinen.
Nur wenn ein Klima des Vertrauens herrscht und die Mitarbeitenden mit einbezogen werden, kann die betriebliche Gesundheitsförderung funktionieren. Unternehmen sind – nicht zuletzt aus Eigeninteresse – mitverantwortlich für das Wohlbefinden der Belegschaft. Es kann und muss von Betrieben erwartet werden, dass sie Voraussetzungen für Gesundheit am Arbeitsplatz schaffen. Wie die Mitarbeitenden mit ihrer eigenen Gesundheit umgehen, kann der Arbeitgeber nur begrenzt beeinflussen. Care Management oder sinnvolle Präventionsmassnahmen können die Gesundheitskompetenz der Mitarbeitenden aber massgeblich erhöhen.
(*) Heidi Widmer ist Leiterin HR Beratung und HR Marketing bei der Helsana Versicherungen AG.
(www.helsana.ch)
